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Zu Parallelausstellung in St. Stephan in Lindau siehe hier:

https://kunstfreunde-lindau.de/

Ausschnitt aus einem Bild der AusstellungAusschnitt aus einem Bild der Ausstellung

Bilder lesen, wie geht das?

Führungen in der Ausstellung „Hiob und Ikarus“ , Kunstgalerie peregrinus e.V.

Wer kennt das nicht: Ratlos steht man vor Kunstwerken und wendet sich rasch wieder ab, weil man keinen Sinn darin erkennen kann. „Auch mir geht das immer mal wieder so“, so Tilmann Wolf, Galerist der Kunstgalerie peregrinus  in Scheidegg, „und die laufende Ausstellung mit Lithographien von Angelika Flaig erschließt sich nicht auf den ersten flüchtigen Blick.“

Darum bietet die Galerie jedem Besucher (Erwachsene, aber auch Kinder und Jugendliche, die Interesse am Malen, Modellieren o.ä. haben), der sich voranmeldet, auf Wunsch eine besondere Führung an: Zum einen werden die Hintergründe der Bildmotive , der Geschichten von Hiob und von Ikarus erläutert. Hiob, eine Figur der Biblischen Überlieferung, sehr wohlhabend, gottesfürchtig und rechtschaffen, stürzt in abgrundtiefes Elend. Die Frage „wie kann das sein, wenn Gott doch die Guten belohnt und die Bösen bestraft?“ treibt Hiob und seine Freunde um. „Warum nur …“ und sie finden keine schlüssige Antwort.  Erst als sich einer der Freunde von dieser „warum-Frage“ löst, wandelt sich die Wahrnehmung und das Schicksaal.  Ikarus flieht mit seinem Vater Dädalus mit selbstgebauten Flügeln aus der Gefangenschaft auf der Insel Kreta. Aus Unachtsamkeit und Übermut stürzt Ikarus ins Meer und ertrinkt. Beide Geschichten haben überraschend starke Beziehungen zu den Problemen, die uns heute bewegen.

Die Bilder von Angelika Flaig zeigen keine Bildergeschichte, die nacheinander die Stationen der jeweiligen Erzählung illustriert. Jahrelange Bühnenarbeit im Bereich „Performance“ auf großen und kleinen Theaterbühnen prägt auch ihre Arbeit im bildnerischen Bereich, so dass ihre Bilder ähnlich einer szenisch-abstrakten Vorführung gelesen werden können. Das klingt kompliziert, aber jeder von uns hat darin Übung. Wer kennt nicht z.B. die Situation im Auto bei Nacht und regennasser Straße mit Gegenverkehr. Schemenhafte Umrisse interpretieren wir spontan z.B. als dunkel gekleidete Person am Straßenrand. Lassen Sie sich überraschen, wie sich so ähnlich und erlebnisreich Bilder lesen lassen, die auf den ersten Blick einfach nur „abstrakte Kleckse“ zu sein scheinen.

Das Angebot gilt bis zum Ende der Ausstellung am 12. September 21.

Ausschnitt aus einer nächtlichen Straßenszene - hier zur Verdeutlichung des obenstehenden TextesAusschnitt aus einer nächtlichen Straßenszene - hier zur Verdeutlichung des obenstehenden Textes

Hiob und Ikarus - im Garten der Zeit

HIOB und IKARUS – Lithographien von Angelika Flaig.

Am Sa 10. Juli um 17 Uhr wird die Ausstellung „HIOB und IKARUS im Garten der Zeit“ in der Galerie peregrinus e.V. in Scheidegg eröffnet. Am So 8. August 18.30 Uhr wird Angelika Flaig beim Kunst-Gottesdienst in St. Stephan in Lindau (Insel)  mitwirken.

 

HIOB – eine Person der Biblischen Überlieferung, die aus großem Wohlstand in ein unermessliches Elend stürzt – ein Buch der Bibel, das man gerne überblättert - wie so manches unerfreuliche Kapitel im eigenen Leben. Angelika Flaig hat sich diesem Thema zugewandt und großformatige Lithographien geschaffen.

In der Kirche St. Stephan in Lindau sind in diesem Sommer große Druckwiedergaben von Arbeiten aus diesem Zyklus zu sehen und Gegenstand der zugehörigen Kunst-Gottesdienste. In der Galerie perergrinus in Scheidegg werden vom 10. Juli bis 12. September Originale aus diesem Werk gezeigt.

IKARUS, eine wichtige Gestalt der griechischen Mythologie, entkommt mit seinem Vater mit Hilfe von technischem Erfindergeist aus der Gefangenschaft im Labyrinth des Minotauros auf Kreta: Selbst gebaute Flügel sind das Tor zu Freiheit – aber hoch fliegender Übermut des jungen Ikarus wird ihm zum Verhängnis. Er stürzt ab und ertrinkt.

Aus beiden Geschichten kann man Verbindungen zu unserer heutigen Lebenssituation finden: Auch aus großem Wohlstand kann plötzlich oder stufenweise, unerwartet oder mit Vorahnung ein Absturz in Elend, Armut, Ausgrenzung oder Krankheit an Leib und Seele erfolgen. Tausend Fragen bleiben unbeantwortet. Der Schrei nach Gott scheint mitunter ungehört zu verhallen.

Erfindergeist sehen wir heute als Prototyp für die Lösung schlechthin für alle unseren Probleme – global, regional und persönlich. Ohne die notwendige Sorgfalt und Demut können solche Lösungen rasch oder auch schleichend in die Katastrophe führen, wenn Selbstüberschätzung, Machbarkeitswahn, Gier und Selbstherrlichkeit blind machen z.B. für Risiken und Nebenwirkungen.

„Was hätten sich und uns die beiden wohl im Garten der Zeit in all den Jahrhunderten zu sagen?“ fragt die Künstlerin Angelika Flaig.

Ausstellungsrundgang „HIOB und IKARUS im Garten der Zeit“

Vorwort:

Bildende Kunst ist subjektiv. Ein Subjekt, d.h. ein Mensch mit seiner Lebenserfahrung, Weltsicht, Gemütslage, Gestaltungskraft und seiner Intuition wie auch seinen Gedanken gestaltet Bildnisse, formuliert in seiner Bildsprache, was ihn bewegt. Ein Subjekt, d.h. ein Mensch betrachtet diese Bildnisse, mit seiner Lebenserfahrung, Weltsicht, Gemütslage, Gestaltungskraft und seiner Intuition wie auch seinen Gedanken und liest darin, was er darin findet. Beides sind autonome Gestaltungsprozesse und beide führen zu gültigen Ergebnissen, die einer kritischen Diskussion nur teilweise zugänglich sind.

Wenn ich als Galerist hier meine Wahrnehmung hinzufüge, dann kann das für die Künstlerin wie auch für den Betrachter hilfreich oder auch störend sein. Hier meine Bitte: Nehmen Sie sich die Freiheit, subjektiv zu sein. Das macht den Menschen frei und kreativ. Auch Ihre Sicht, die Sicht des Betrachters  ist gültig.

Rundgang:

Der erste Blick: Schwarz-weiß. Farbe: Fehlanzeige – doch nicht ganz: 3 Arbeiten tauchen sparsam mit ockerfarbenen Hintergrundflächen  in die Farbigkeit ein.

Beim Thema Hiob hat jeder, der ein wenig Ahnung von der Geschichte Hiobs hat, die Assoziation „dunkel“ oder gar „rabenschwarz“.

Wenden wir uns zuerst dem ersten Namensgeber der Ausstellung zu: HIOB

Die erste großformatige Arbeit, die man erblickt, wenn man sich im Raum zuerst nach rechts wendet: „Lichtritual“ –

das Bild, das auch das Ausstellungsplakat prägt, zeigt 2 helle und 2 dunkle Gestalten – oder sind des je 2 mal 2 Gestalten?
Licht und Dunkel – Kernthema der Hiobs-Geschichte, die auf ca. 1000 vor Christus datiert wird, in der Satan Gott mit einem Deal herausfordert: Hiob dient Dir treu und ist rechtschaffen , redlich und gottesfürchtig – aber das kann er doch nur, weil Du – Gott – ihn so watteweich bettest in grenzenlosem Wohlstand. Gott lässt sich herausfordern und erlaubt Satan, Hiob in´s Elend zu stürzen.  Licht und Dunkel im Dialog, ja mehr noch: In einem Deal, einer Absprache, einem Experiment zulasten Hiobs.

Dunkle Flächen verdecken die Lichtgestalten (Lichtengel), rinnen tränenhaft ab über das Netzwerk oder die Verstrickungen, das Gitterwerk des Lebens.

Nachtgesänge

1)     Ein Gesicht mit weiblichen Zügen, versehrt, beschädigt, in stiller Trauer, stillem Schmerz? Hiob? Dem Zeitgeist folgend sind in der Hiobs-Geschichte die Frau, die Kinder und die Knechte austauschbar. Sie werden genommen und am Ende wieder „zurück“-gegeben. Dies ist ein Aspekt, hier Hiob ein weibliches Gesicht zu geben und die „Wertigkeiten“ umzukehren. Gegenstand der Hiobs-Geschichte ist ein menschliches und kein spezifisch männliches Schicksaal. Verantwortung vor Gott und den Menschen, gnadenlose Schicksalsschläge und Schmerzen treffen jeden Menschen gleichermaßen hart. 

2)     „endlich“ Das selbe (?) weibliche Gesicht, ja die ganze Figur scheint dem finsteren Wirbel, der bedrohlich um ein helles Zentrum fegt, entkommen zu sein.  Verkrampft, schmerzvoll, beschädigt. Endlich? Was findet die leidende Kreatur mit weit aufgerissenem Auge?
Die biblische Hiobs-Geschichte findet ihr heilvolles Ende, nachdem Hiob begreift, dass ein Rechten mit Gott, eine Antwort auf das „Warum“ nicht wirklich helfen kann. Die Begegnung mit Gott gipfelt bei Hiob in den Worten: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.  Darum gebe ich auf und bereue in Staub und Asche.“ … und stößt die Tür auf, zu einem neuen Leben.

Persephone“  

Persephone ist auf besondere Art mit Licht und Dunkel, Leben und Tod gleichermaßen verbunden. Als sehr schöne Tochter von Zeus und Demeter erregt sie die Aufmerksamkeit von Hades, dem Bruder von Zeus – so die griechische Mythologie. Er will sie zur Frau und entführt sie in die Unterwelt. Zeus und Demeter bangen um die Tochter, denn sie kann in der Finsternis nicht überleben.  Nach langem Ringen finden sie einen Kompromiss mit Hades: 4 Monate lebt Persephone in der Unterwelt und 8 Monate im Licht der Sonne: In dieser Doppelrolle wird sie zur Göttin der Vegetation, die im Winter 4 Monate ruht und sich im Sommern 8 Monate zu üppigem Leben entwickelt.

In diesem Bild – wie in anderen auch – wird der Schaffenshintergrund der Künstlerin sichtbar: Nach einem Literaturstudium und einem Kunststudium ist sie jahrelang mit Regie und Gestaltung von Performance-Veranstaltungen auf großen und kleinen Bühnen tätig – das Zusammenwirken von Mensch, Sprache, neuer Musik und Bewegung. 
Ein dramatischer szenischer Moment scheint in einer Momentaufnahme eigenfangen: Ist es der Moment des Raubes durch Hades – die Entführung in die Unterwelt, der Moment wieder aufsteigen zu dürfen zum dem Licht, das ihr Gesicht hell erleuchtet, oder ein ganz anderer …?

Aldegrever goes digital

Heinrich Aldegrever – ein Kupferstecher und Maler – lebte von 1502 bis ca. 1560 im heutigen Nordrhein-Westfalen.  Seine Lyra-Spielerin wurde als Bild-Muster digitalisiert und das Daten-Tablo auf verschiedene Weise als digitales (0 und 1, schwarz und weiß, ...)Flächenmuster dargestellt. Beides zusammen verbindet Jahrhunderte zu einer grafischen Einheit.

Nachtgarten

Im Dunkel schemenhaft wahrnehmbare Strukturen, Personen, Muster sprechen unsere inneren Bilder an, die wir unwillkürlich in das objektiv Wahrgenommene hinein projizieren. In dieser Arbeit – wie auch manch anderer Arbeit dieser Ausstellung – ist dieses Phänomen wirksam. Unsere innere Bilderwelt wird aktiviert und gestaltet mit…

Ikarus Positionen“ (9 Arbeiten)

Dädalus und Ikarus sind im Labyrinth auf Kreta gefangen. Die Ironie des Schicksaals: Dädalus ist selbst der geniale Architekt des Labyrinths, dem er nun selbst zusammen mit seinem Sohn Ikarus nicht entkommen kann. Aber er wäre kein genialer Erfinder, wenn er nicht auch hier eine Lösung finden würde: Er baut aus Wachs und Vogelfedern Flügel, mit denen beide durch die Luft das Labyrinth und die Insel Kreta verlassen.  Ikarus wird übermütig und fliegt zu hoch, zu dicht an die Sonne, so dass das Wachs schmilzt und die Flügel zerfallen. Die Reise endet für ihn mit dem tödlichen Sturz in das weite Meer.

Die vielschichtigen Lithographien von Angelika Flaig werden alle als Unikate durch das Übereinander-Drucken unterschiedlicher Motiv-Teile in einem sehr aufwändigen Prozess gestaltet. So finden sich wiederkehrend gleiche Bildelemente auf unterschiedlichen Werken – so z.B. hier der Kopf eines Schauspielers, der in der Performance-Arbeit mit Angelika Flaig engagiert war, interpretierbar als Kopf des Ikarus. 

Aus der Ikarus-Geschichte heraus lassen sich die Bilder in ihrer Bewegungs-Dynamik, Formsymbolik und Schwarz-Weiß-Dramatik lesen. Sie sind für die persönliche Interpretation offen. Nehmen Sie sich als Betrachter diese Freiheit.

Baalesque“ (3 Arbeiten)

Baal – ursprünglich der allgemeine Begriff für „Gott“ oder „König“. So ist in den Büchern Mose und bei den biblischen Propheten z.B. die Rede von Königen und Orten mit den Namen: Baal-Hanan, Baal-Zefon, Bamot-Baal, Baal-Peor, Baal-Meon, Baal-Gad, Kirjat-Baal, Baal-Hermon u.s.w.

Baal wurde z.T. auch mit Moloch, dem phönizischen Opferritus, der nach biblischer Darstellung Kinder als Brandopfer verlangte, gleichgesetzt.

Für die Künstlerin ist das eine Vereinnahmung eines zunächst eher wertfreien Begriffes für Gott  oder König in einer einseitig dämonisierenden Bedeutung. Dies bringt sie mit den schwarzen Fratzen zum Ausdruck.

Lithographie

Die Lithografie oder Lithographie (von griech. λίθος lithos „Stein“ und γράφειν graphein „schreiben“) ist das älteste Flachdruckverfahren und gehörte im 19. Jahrhundert zu den am meisten angewendeten Drucktechniken für farbige Drucksachen, es wird auch als Reaktionsdruckverfahren bezeichnet (Wikipedia). Die Lithographie war im vorletzten Jahrhundert das einzige Verfahren, um Serien von Kunst- und anderen sehr differenzierten  Motiven zu drucken. Angelika Flaig verwendet diese sehr aufwändige Technik um Unikate zu schaffen, die durch Übereinander-Druck verschiedener Bildteile und/oder durch eine fortschreitende Weiterbearbeitung des Druck-Stein entstehen, so dass jeder Druck einen anderen Status wiedergibt.

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