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ZylinderZylinder

Damenhut_1920Damenhut_1920

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zitat aus: http://rock-o-rama.net/de/Aufkleber---Gutmenschen--Nein-danke---rund-.htmlZitat aus: http://rock-o-rama.net/de/Aufkleber---Gutmenschen--Nein-danke---rund-.html

Aus: Die Zeit v. 20.10.16:

Der kleine Fuß eines Kindes in den Trümmern eines Hauses in Aleppo, das den Bomben zum Opfer fielAus: Die Zeit v. 20.10.16: Der kleine Fuß eines Kindes in den Trümmern eines Hauses in Aleppo, das den Bomben zum Opfer fiel

Hut-Bürger und andere …

Kleine Bürgerkunde auf „U“

Vor 100 Jahren gab es >> Hut-Bürger <<. Sie waren behütet von der übersichtlichen Ordnung einer ständisch geprägten Gesellschaft. Sie trugen Zylinder, Filzhut, Schlapphut oder Mütze bei den Herren, ausladende Stroh- und Filzhüte mit oder ohne Dekoration und mit oder ohne Netz vor dem Gesicht bei den Damen, je nach Stand und Selbstverständnis.

Heute gibt es diese kaum noch. Und wenn, dann sind es meist pragmatische Gründe zum Beispiel einen Sonnen-Hut, eine Wintermütze oder einen Fahrradhelm zu tragen oder der besondere Wunsch nach Extravaganz.

Bürger sind aber Bürger geblieben und haben sich emanzipiert:

Statt Hut tragen sie mitunter zum Beispiel Wut – unsere neuen >> Wut-Bürger <<. Solche finden sich auf Montags-Demos – einer Versammlungsform, die die mutigen DDR-Bürger der ausgehenden 80-er-Jahre entwickelt haben. Deren billige Kopie muss nun für gute und schlechte Ziele herhalten. Manche retten montags das christliche Abendland.

>> Gut-Bürger  << – oft auch als Menschen bezeichnet – tun Gutes. Aus Sicht der Wut-Bürger tun sie das, ohne sich der vermeintlich schlechten Folgen ihres guten Tuns bewusst zu sein – woraus die Wut-Bürger neue Wut entwickeln.

Das sind die wichtigsten, soweit man die öffentliche Verwendung der Begriffe als Maßstab heranzieht.

Bei genauem Hinsehen hat die Bio-Diversität natürlich noch zahlreiche andere U-Bürger hervorgebracht:

Der >> Mut-Bürger << ist leider eine eher seltene Spezies. Der Mut-Bürger steht zu seiner Meinung, in der digitalen Welt auch ohne Pseudonym. Er ist nicht nur mutig, wenn um ihn herum 100 Gleichgesinnte dasselbe rufen, sondern auch dann, wenn er alleine seine Meinung vertritt. Er kann aufrichtig zuhören. Er hat sogar den Mut, seine Meinung zu ändern, wenn er zu einer besseren Erkenntnis gelangt.

Bekannt ist auch der >> Tut-Bürger << – auch Aktivist genannt. Er tut viel und das nur nach seiner eigenen Überzeugung. Diese lässt er sich auch nicht so gerne in Frage stellen. Er ist aktiv, laut und oft populär bei Gleichgesinnten. Fairerweise sei gesagt: Es gibt auch Mut-Tut-Bürger :-).

Der >> Ruht-Bürger << lässt sich nicht gerne stören – er, in fortgeschrittenem Alter (denn sonst würde er Chill-Bürger[1] heißen)  ruht und kehrt sich ab von den Sorgen der Welt. Allenfalls  beim Stammtisch oder im Freundeskreis macht er Weltpolitik und findet dabei meist einfache und (tod-)sichere Lösungen, auf die die Verantwortlichen schon längst hätten kommen müssen.

Den >> Brut-Bürger << kennt man nicht in der Öffentlichkeit. Er brütet Gedanken und Ideen aus, die er sich nach Fertigstellung in der Regel von einem Tut-Bürger abnehmen lässt.

Eine neue Form ist der >> Blut-Bürger <<. Dieser hatte im Deutschland der 30-er-Jahre Konjunktur – arisch rein von Blute, nun wieder erfunden von Erdogan im Türken-Land – Bluttests sind seine Lösung. Und Menschen wie Marine Le Pen, Geert Wilders, Frauke Petri, Matteo Salvini, und Viktor Orbán würden Erdogan sicher gerne nachfolgen. Und sie sind  nur einige wenige Namen derer, die in Europa diese Fahne hoch halten.

Gibt es auch den >>Un-Bürger<<? Wie Un-Kraut, Un-Fug, Un-Geziefer oder un-deutsch – Bürger mit „un-Blut“ in den Adern?

Damit sind wir bei der Buchstabenfolge „un“ anstatt „ut“. Auch hier werden wir nach einer kurzen Einführung fündig:

Es gibt nämlich auch "u"-Bürger, denen wir millionenfach verbales Asyl gewähren sollten. Aber nur dann, wenn sich die Worte mit Migrationshintergrund unserer Leitkultur anpassen – oder? Darum sprechen wir sie deutsch aus!  Wir wollen vermeiden, dass das Blut zartfühlender Blut-Bürger zu sehr in Wallung gerät.

Der >> Fun-Bürger << hat sich von der Welt verabschiedet – zumindest von der Welt die versucht Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Feste, Partys, Starkult, Events und alles was zerstreut und Verantwortung vergessen macht ist Lebensinhalt.

Dann ist da der >> Run-Bürger <<. Er rennt und rennt, vor allem dorthin, wo alle hinrennen, damit er dabei war. Ob das nun Schnäppchen, Modewellen oder Großveranstaltungen sind, Hauptsache es ist gerade der Run.

Zuletzt sei genannt der >> Gun-Bürger <<. Er gliedert sich in etliche  Untergruppen, von denen hier vier genannt seien:                                                                                  

Die erste ist naturverbunden und kümmert sich um die Regulation der Wildbestände in Wäldern und Fluren.

Die Zweite Gruppe ist sportlicher Natur und macht aus großer Distanz kleine Löcher in kleine runde Pappscheiben. Sie freut sich, wenn das Loch in der Mitte ist.

Der Dritte Typus nimmt anstatt einem Plastikkärtchen ein solches gun oder dessen Attrappe um bei einer Bank Geld abzuholen.

Der vierte Typus ist Gott sei Dank sehr selten. Er bedient sich der Ausrüstung der ersten zwei und mäht in einem Akt ausbrechender Wut  - als Mega-Wut-Bürger - möglichst viele unbeteiligte friedliche Menschen nieder und dann sich selbst.                                                                         n



[1] Bürger ist hier wie [börger] mit kehligem „r“ auszusprechen, so wie ein waschechter Amerikaner ohne deutsche Sprachkenntnisse das Wort Bürger aussprechen würde.