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Zu kurz gesprungen – zu „Jesus und die Algorithmen“ Die Zeit – Christ und Welt Nr. 32, 3.8.17

 

Werden Gebete überflüssig – so eine zentrale Frage des o.g. Beitrags angesichts einer überwältigenden Perspektive, die sich aus "Big Data" und "klugen Algorithmen / Apps" für jede Lebenslage ergeben. Eine wichtige Frage – aber dahinter liegt eine noch wichtigere:

Wie halte ich es mit meiner Freiheit – der Freiheit, die mir Gott geschenkt hat?

Jeder Algorithmus ist von Menschen gemacht und das auch dann, wenn inzwischen auch Maschinen programmieren. Das Wertesystem, das dahinter liegt, das die Eingangsdaten in positiv, neutral und negativ bewertete Ereignisse sortiert, ist von Menschen anhand einer Lebensphilosophie geschaffen worden. Wenn ich mich auf die Algorithmen verlasse und mindestens eine letzte Kontrolle durch meinen eigenen Kopf, durch das Gebet vor Gott und durch die Frage: „Wohin soll mein Weg führen?“ unterlasse, dann mache ich mir das – oft unbekannte – hinter den Algorithmen liegende Wertesystem zu 100% zu Eigen.

Will ich das?

Wenn das Wertesystem z.B. davon ausgeht, dass alles das, was mir in der Vergangenheit gut getan hat, auch künftig gut für mich ist, dann verhindert es ggf. jede Veränderung. Gerade aber in einer ggf. risikobehafteten Veränderung könnte ja mein Weg weiterführen. Viele Menschen, die für bahnbrechende Veränderungen zum Guten verantwortlich waren, haben eine in diesem Sinne „gebrochene“ Biografie. Kein Algorithmus kann solchen Menschen die Prognose bzw. die Entscheidungen vorschlagen, die im Rückblick z.B. zu einem Quantensprung an Erkenntnis (Wissenschaft), zu einer wegweisenden Gotteserfahrung (Glauben), zu einer Wendung im Zeitgeschehen durch ein risikoreiches Engagement (politisch, sozial, künstlerisch, …) geführt haben, raten. Denn für die Mehrheit der anderen Menschen wäre diese Empfehlung in vergleichbarer Situation  töricht, ja sogar für denselben Menschen wäre eine solche Empfehlung in zahlreichen äußerlich vergleichbaren Situationen töricht gewesen.

Wenn wir unsere Freiheit, d.h. unser jeweils persönliches Ringen um „gut und böse“, um „nützlich und schädlich“, um „sozial und asozial“, um „gerecht und ungerecht“, um „liebevoll und lieblos“, um „mitmenschlich oder egoistisch“, um „im Sinne Jesu oder entgegen Jesu Botschaft“ oder anders formuliert: „mit Jesus oder gegen ihn“ aufgeben und stattdessen den Algorithmen vertrauen, dann haben wir das Menschsein als verantwortliches und fühlendes, als freies und von Gott beseeltes Wesen aufgegeben und einen uns unbekannten Schöpfer der Algorithmen als Gott stattdessen angenommen.

Die ähnliche Abkehr von einer (vor Gott) verantwortlichen Freiheit vollzieht übrigens auch der, der sich nur unter Gleichgesinnten bewegt – sei es im realen Leben oder in den sg. sozialen Medien. Wir brauchen auch die Mitmenschen, die anders denken als wir selbst, die uns in Frage stellen und u.U. auch nerven. Nur so können wir eigene Irrtümer oder Fehlhaltungen erkennen und die eigene Sicht schärfen und reif werden lassen. Und das gilt m.E. für unsere Überzeugungen in allen Bereichen: Wirtschaft, Politik, Glauben, Kultur, Freizeitgestaltung,  …